Kapitel 1: Der TV Irlich, 1882 – 1945

Einleitung

Zweites Mitgliedsbuch des TV Irlich. Josef Weber war seinerzeit das älteste Mitglied und stand somit, wie damals üblich, am Anfang des Liste. Insgesamt zählte der TV Irlich im Jahre 1907 zweiundsiebzig zahlende Mitglieder, übrigens alles nur männliche das Frauen noch nicht in einen Sportverein eintreten durften.

Die Kunst der Leibeserziehung hieß im alten Griechenland Gymnastik. Sie war zunächst eine rein staatliche Einrichtung. Weil die körperlichen Übungen der Gesundheit dienten, wurden sie alsbald von Erwachsenen beibehalten, und fanden schon im frühen Römischen Reich Aufnahme und Verbreitung. Bei unseren deutschen Vorfahren waren die Leibesübungen besonders für den Ritterstand unentbehrliche Stufenleiter um zu Amt und Würde – und nicht zuletzt zu Ansehen bei den Damen – zu kommen. Es folgten Zeiten des allgemeinen Zerfalls, in denen auch die Leibesübungen vernachlässigt wurden.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Turnen erstmals als Schulfach aufgenommen. Aber wohlgemerkt: nur für „die höheren Stände“ an entsprechenden Schulen. Einer der „ersten Väter des allgemeinen Volksturnens“ war Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827). Er betrachtete die Leibesübungen als verbindliche Brücke für die Jugend aus allen Ständen. Ihm folgte Friedrich-Ludwig Jahn (1778 – 1852), der 1811 in der Hasenheide bei Berlin den ersten öffentlichen Turnplatz errichtete. Die politische Lage zur Zeit Jahns brachte es vor allem mit sich, dass nur Männer bzw. die männliche Jugend angesprochen wurde. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird erst das Frauenturnen langsam „volkstümlich“ aber erst beim Deutschen Turnfest 1923 können Turnerinnen gleichberechtigt starten.

TV Irlich (1882 bis 1945)

Es waren wirtschaftlich schwierige Zeiten. Diese berührten auch das Vereinsleben. Trotzdem riefen 1882 Enthusiasten den TV Irlich ins Leben. Als Anlass dazu diente ein Turnfest beim Fürsten zu Wied. Unter der Führung des damaligen Hauptschullehrers Johann Fischer entstand der Turnverein Irlich. In den ersten Jahren wurde das Turnen meist zur körperlichen Ertüchtigung ausgeübt. Regelmäßige Wettkämpfe waren eher selten. Allerdings ist bekannt das der TV Irlich, 1905, des Bezirksturnfest des Wiedbachtales durchführen durfte. Und zwei Jahre später, der TV feierte sein 25-jähriges Bestehen, gab es auf den Rheinwiesen ein gauoffenes Turnfest zu bewundern. Weitere drei Jahre zogen ins Land als am Rhein-Wied Eck eine weitere Fete anstand. Die Grundsteinlegung der ersten Irlicher Turnhalle wurde in einem würdigen Rahmen gefeiert und nur zwei Jahre später, mit einem Bezirksturnfest eingeweiht.

Die Turner des TV Irlich im Jahre 1932 vor der Turnhalle die 1912 erbaut wurde.

Dem Verein stand mittlerweile Peter Severin vor, der Fischer 1907 nach 25 Jahren, abgelöst hatte. Es begannen unruhige Jahre im Deutschen Reich. Auch dies kann man an den oft wechselnden Vorsitzenden des TV Irlich erkennen. 13 Männer prägten das Gesicht bis 1938 das Gesicht des TV bevor 1938, durch das braune Gesocks, der Zusammenschuss der beiden Irlicher Sportvereine angeordnet wurde. Aber trotz der unruhigen Zeit entwickelten sich die sportlichen Aktivitäten nach dem ersten Weltkrieg immer mehr. Ab 1922 wurde, neben dem Turnen auch das Handballspiel im TV angeboten. Viele Aktive waren somit auch in mehrerer Abteilung aktiv sodas es nicht selten war das vormittags eine Turn- oder Leichtathletik Veranstaltung anstand und Nachmittags ein Handballspiel. Seine erste Meisterschaftsbegegnung gewann der TV übrigens gegen den TV Urbar mit 7:2 nachdem zuvor vier Aktive an einem Staffellauf des Rhein-Mosel Gaus erfolgreich teilgenommen hatten. 1928 reiste eine Turnriege des TV Irlich nach Köln um an dem dortigen Deutschen Turnfest mit Erfolg teilzunehmen. Selbst zum Deutschen Turnfest in Breslau.

Die Turnriege der TSG Irlich, die 1930 am Turnfest in Weißenthurm teilnahm.
Hinten von links nach rechts: Wendelin Schilling, Jakob Zweibrücken, Karl Hauschild
Vorne v.l.n.r.: Theodor Roth, Stefan Weber, Eugen Weber, Kunibert Schreiber, Josef Weber, Matthias Elberskirch, Jakob Busch

1938, reiste eine Delegation des TV. Sechs Jahre zuvor feierte ganz Irlich, mit seinem TV das 50jährigen Stiftungsfest. Allerdings machte sich auch immer mehr die „neue Zeit“ bemerkbar. So sahen die hohen Herren es auch als notwendig an, das beide Irlicher Sportvereine sich zusammenschlossen. Es entstand am 04.September 1938, durch ein Dekret der damaligen Regierung, die Turn- und Sportgemeinde“ kurz TSG Irlich. Hier wurden nun zwei Vereine zusammengepresst die bisweilen in einer starken Rivalität miteinander lebten. Ehe sich die Vorstandmitglieder, beider Clubs, richtig arrangiert hatten, kam der zweite Weltkrieg der am Ende jeglichen Sportbetrieb beendete.

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