Kapitel 3: Die Zeit nach 1945

Am 8. Mai 1945 war der 2. Weltkrieg, der in sechs Jahren so viel Elend und Leid in Europa hervorgerufen hat, endlich zu Ende. Auch unsere Heimat Irlich war zu achtzig Prozent zerstört. Viele aus unserer Mitte kehrten nicht mehr zurück. Allein 59 Mitglieder gaben ihr Leben im Kugelhagel.

Trotz aller Schwierigkeiten, die die ersten Nachkriegsjahre mit sich brachten, erwachte in den Ruinen und auch bei der TSG langsam wieder das Leben. Es musste gehamstert, getauscht und gespart werden bis wieder die ersten Trikots, Bälle und Schuhe für eine Mannschaft zusammen waren. Bereits 1946 konnte die SG, so nannte sich die TSG in den ersten Jahren, (die Besatzungsbehörden ließen den alten Vereinsnamen nicht zu) wieder eine Mannschaft zum Spielbetrieb anmelden. Jedoch gab es in der ersten Nachkriegssaison nicht viel zu bejubeln. In der Abschlusstabelle belegten wir nur einen Platz im unteren Mittelfeld.

Dies sollte ein Jahr später schon anders sein. Auch die Militärregierung schaffte erste Erleichterungen. So genehmigten die Besatzer am 20. Juli 1947 die erste “offizielle” Mitgliederversammlung. Die allererste Mitgliederversammlung, am 11 November 1945, war noch illegal gewesen. Damals entgingen der 1. Vorsitzende Kunibert Schreiber (1945 bis 1947) und der spätere 1. Vorsitzende Helmut Weber (1960 – 1986) nur sehr knapp einer Bestrafung durch das Militärgericht.

Auch sportlich ging es nun bergauf. In der Spielzeit 1948/49 schaffte die Mannschaft die erste Nachkriegsmeisterschaft. Und was für eine. Mit 21:3 Punkten thronte die SG am Saisonende an der Tabellenspitze. Das Pappelstadion glich in dieser Spielzeit einer Festung. 21:0 Tore! und 12:0 Punkte. Mit diesem Titel hatten sich die Gelb-Blauen für die Aufstiegsrunde zur Bezirksliga qualifiziert, wo sie ebenfalls am Ende vorne standen. Einen großen Verdienst an den Erfolgen in den Anfangsjahren hatten die Spieler Wendelin Dames und Hermann Schreiber. Fast jeden Montag waren ihre Namen in der lokalen Presse unter den Torschützen zu finden. Doch in der Bezirksliga war die SG Irlich noch nicht am Ende. Gleich in ihrer ersten Spielzeit wirbelten sie die neue Liga durcheinander. Mit Platz drei zum Saisonende hatten die Aktiven ihr Saisonziel mehr als erreicht.

Die Belohnung folgte auf den Fuß. Durch die Einführung einer dritten Landesliga reichte Platz drei in der Bezirksliga zum erneuten Aufstieg. Für den kleinen Ort Irlich war das schon eine Sensation, denn über der Landesliga gab es nur die Oberliga Südwest, so dass im Pappelstadion nun Zweitligafußball angeboten wurde. Allerdings hielt dieses Glücksgefühl nur ein Jahr an. Zwar stieg unsere SG nicht ab, aber die Einführung der 2. Division stufte die Landesliga wieder herab. Die nächste Ligenreform stand 1952 mit der Einführung der 1. Amateurliga an. Die SG spielte noch immer in der Landesliga war aber durch diese Umstrukturierungen nun viertklassig, was aber immer noch als Erfolg zu werten war.

1953 war es dann endlich soweit. Unser Verein durfte sich wieder unter seinem alten Namen “TSG Irlich” präsentieren. Die Freude darüber wurde ein wenig durch den Abstieg 1954 getrübt. Die Mannschaft war überaltert und musste auf Kreisebene neu aufgebaut werden. Die A-Klasse wurde zu dieser Zeit noch als überregional angesehen, da in ihr Vereine aus den Kleinkreisen Neuwied und Unterwesterwald platziert wurden. Die TSG landete am Ende der Spielzeit im gesicherten Mittelfeld. Bereits ein Jahr später sorgte die junge Mannschaft aber erneut für Aufsehen. Hinter dem VfL Niederbieber feierten die Gelb-Blauen die Vizemeisterschaft.

In den folgenden Jahren kämpfte die TSG weiter in der A-Klasse um Meisterehren. Mit der Zeit wurde aber deutlich, dass der Klassenerhalt in dieser Liga ein immer schwierigeres Unterfangen sein würde. 1961 benötigten wir bereits ein Entscheidungsspiel (2:0) gegen den punktgleichen VfL Segendorf um die Klasse zu sichern. Drei Jahre später musste unser Team jedoch erstmals wieder in die Kreisliga absteigen. Aber nur für ein Jahr. Bereits 1965 kehrten wir zurück. Mit sechs Punkten vor dem SV Altwied fuhren wir die zweite Nachkriegsmeisterschaft ein. Und wie 1949 wieder ohne Punktverlust im heimischen Pappelstadion. Dieses Mal gehörten wir sechs Jahre der neuen Liga an bis es 1971 wieder abwärts ging. Allerdings klappte es nun nicht mit der sofortigen Rückkehr. Im Gegenteil. Vier Jahre später zog das Abstiegsgespenst erneut ins Pappelstadion ein. Erst ein 1:0 Erfolg im Entscheidungsspiel gegen den VfL Wied Niederbieber bewahrte uns vor dem bitteren Gang in die 2.Kreisliga.

In der Saison 1975/76 wurde ein neues Kapitel in Sachen Fußball in Irlich aufgeschlagen. Die Verantwortlichen hatten die Reißleine gezogen und gründeten mit dem SV Feldkirchen eine Spielgemeinschaft. Nun spielte die SG Feldkirchen/Irlich in der A-Klasse während die II. Mannschaft in der 1.Kreisliga auflief. Bei aller sportlichen Rivalität zwischen den beiden Vereinen schien diese Zweckehe vernünftig, denn auch der SV Feldkirchen hatte in diesen Jahren Schwierigkeiten eine schlagkräftige Truppe aufzubieten.

Die SG agierte überaus erfolgreich. In den sechs Jahren ihres Bestehens holte die SG zwei Vizemeisterschaften und einen dritten Platz. Vor allem der zweite Platz 1980 war als Erfolg anzusehen. Zur Winterpause lag die Mannschaft, mit sieben Punkten Rückstand auf Tabellenführer SV Neuwied, im Mittelfeld der Liga. Durch eine beeindruckende Serie holte die Mannschaft Punkt für Punkt auf und zog am letzten Spieltag mit dem SV Neuwied gleich. Zur Meisterfindung war so ein Entscheidungsspiel notwenig geworden. Nach 210 Minuten jubelten die Deichstädter. Trotzdem konnte unsere SG mit erhobenem Haupt den Platz verlassen. 1:1 n.V. in Spiel eins und ein knappes 0:1 im zweiten Spiel bedeuteten ein weiteres Jahr A-Klassenfußball in Feldkirchen während Neuwied in die Bezirksliga aufsteigen durfte.

1981 wurde die SG von Seiten der TSG aufgelöst. Einer der Hauptgründe war der starke A-Jugend Jahrgang der nun in den Seniorenspielbetrieb überwechselte. Während Feldkirchen weiterhin in der Kreisliga A um Punkte kämpfte, startete die TSG in der Kreisliga B. Mit Rang fünf in der Spielzeit 81/82 hatte die junge Mannschaft ihr Saisonziel erreicht.

Das die Irlicher Bevölkerung die „Fußlümmelei“ ihrer TSG endlich wieder annahm lag nicht nur an dem attraktiven Offensivfußball der geboten wurde, sondern auch an der Tatsache, dass endlich wieder „Irlicher Junge“ im Aufgebot standen. Auch wenn es „nur“ die B-Klasse war in der gekickt wurde, säumten zwischen 150 und 200 Fans die Barrieren des Pappelstadions.

Auch die Erfolge stellten sich langsam ein. 1983 errangen wir die Vizemeisterschaft. 1985 standen wir am Saisonende ganz vorn, allerdings punktgleich mit dem SC Dattenberg. In einem Entscheidungsspiel in Leutesdorf (2:6 n.V.) wurde uns der Aufstieg in die Kreisliga A noch verwehrt. Doch nur ein Jahr darauf gelang endlich der große Wurf. Mit zehn Punkten Vorsprung, vor dem VfL Niederbieber, stürmte die Mannschaft vom Rhein-Wied Eck in die Kreisliga A. Und weil es so schön war legte die Truppe noch einen drauf. Nur ein Jahr später gab es erneut eine Meisterfeier. Rekordverdächtig der Vorsprung von “14”! Punkten vor der SG Ransbach-Baumbach. Und weil Meisterfeiern so schön sind, folgte 1988 auch noch die Meisterschaft in der Bezirksliga Ost. Dieses mal war es „nur“ ein Punkt vor dem Verfolger VfL Freiendiez.
Wahnsinn, die TSG Irlich war in der Landesliga angekommen. Vier Jahre hintereinander auf Platz eins, ist bis heute im Kreis Westerwald/Wied unerreicht.

„Jetzt zittert die Landesliga“ so titelte die Rhein-Zeitung zu Saisonbeginn im ersten Landesligajahr. Als Aufsteiger erreichte die junge Mannschaft auch gleich den achten Rang. Im folgenden Jahr lernte die TSG erstmals wieder den Abstiegskampf kennen. Erst am letzten Spieltag konnte dieser durch einen 3:1 Erfolg abgewendet werden. Es standen schöne Jahre in der Landesliga an. Erst 1995 hieß es Abschied nehmen. Die alte Garde, die uns so viele Jahre schönen und erfolgreichen Fußball beschert hatte, war so langsam den Fußballstiefeln entwachsen. Gleichwertige Akteure wären nur bei entsprechender Honorierung zur TSG gewechselt. Dazu war der Verein nicht in Lage und auch nicht bereit. Somit war das Kapitel Landesliga, ohne große Wehmut, auch recht schnell abgehakt. Auch in der folgenden Saison war der Abstieg nicht zu verhindern. In der A-Klasse sollte nun endlich wieder Boden unter unsere wackligen Füße kommen. Mit Platz elf in Meisterschaft und einem zweiten in der Relegationsrunde konnte die Klasse gesichert werden. Trotzdem war der Weg nach unten noch nicht abgeschlossen, denn ein weiterer Abstieg in der nächsten Saison bedeutete wieder B-Klassenfußball.

Der Verein war wieder dort angelangt, wo er vor seinem Höhenflug 1985 gestartet war. Natürlich sorgte der sportliche Misserfolg auch personell für Probleme. Es liegt in der Natur der Sache, dass Clubs die nicht auf der Überholspur stehen auch nicht so attraktiv für Neuverpflichtungen sind. So machte sich am Rhein-Wied Eck ein permanenter Spielermangel bemerkbar. Dies hatte die Konsequenz dass die Fußballabteilung 1998 mit dem SV Hüllenberg in Verhandlungen ging und 1998 die SG Irlich/Hüllenberg gründete. Zunächst schien auch das nicht der Schlüssel zum Glück zu werden. Wieder stand der Irlicher Fußball mit einem Bein in der unteren Liga. Erst mit der erneuten Verpflichtung von Hartmut Idelberger, er führte damals die I. Mannschaft von der A-Klasse bis in die Landesliga, kehrte der Erfolg zurück. Der Klassenerhalt gelang und im darauf folgenden Jahr sprang bereits Platz drei heraus.

Zur Saison 2000/2001 kam dann ein entscheidender Schritt nach vorne. Mit dem SV Neuwied trat ein dritter Verein in die SG ein. Neuwied hatte im Vorjahr nur knapp den Sprung in die Verbandliga verfehlt, genau wie die SG Irlich/Hüllenberg den Sprung in die A-Klasse verpasste. Alle beteiligten Vereine hofften in den folgenden Jahren von dieser Verbindung zu profitieren. Zuerst sah es auch danach aus. Beide Teams marschierten im Gleichschritt. Jeweils Rang drei in Landesliga und B-Klasse konnten in den Geschichtsbüchern notiert werden. Das zweite Jahr der großen SG brachte den ersehnten Erfolg. In der Landesliga hatte die Mannschaft von Stefan Krämer am Saisonende mit sechs Punkten Vorsprung den Titel geholt. Das B-Klassenteam benötigte zwar die Relegationsrunde, aber den Aufstieg ließen sich die „jungen Wilden“ ebenfalls nicht nehmen.

Doch bereits zu Beginn der neuen Spielzeit zogen dunkle Wolken am Himmel auf. Durch Begebenheiten die an dieser Stelle nicht näher erläutert werden sollen, spitzte sich die finanzielle Situation der SG dramatisch zu. Unruhe in Mannschaft und Umfeld waren die Folge, zumal das Thema auch in der örtlichen Presse breitgetreten wurde. Davon unberührt blieb zunächst die Reservemannschaft. Diese spielte weiterhin frisch und frei und landete in der neuen Liga auf dem dritten Platz. Darüber hinaus gelang mit dem Kreispokalsieg noch ein bemerkenswerter Erfolg. Die erste Mannschaft dagegen konnte die Klasse nicht halten und stieg wieder in die Landesliga ab. Etliche Akteure verließen die SG Neuwied/Irlich/Hüllenberg, zu der auch zu Saisonbeginn noch der Traditionsverein VfL Neuwied gestoßen war.

So standen die Verantwortlichen zum Saisonstart der Spielzeit 2003/04 vor einem Trümmerfeld. Um für den Kader der ersten Mannschaft eine schlagfertige Truppe zu formen rückten einige Spieler aus den unteren Teams auf. Dies wiederum schwächte die zweite Mannschaft stark. So stark, dass am Ende der Spielzeit der Abstieg stand. Erst jetzt zogen die Verantwortlichen der TSG Irlich und des SV Hüllenberg die Notbremse und kündigten die Spielgemeinschaft mit den beiden Neuwieder Fußballvereinen auf. Während sich der SV Hüllenberg dem SV Feldkirchen anschloss und die SG Feldkirchen/Hüllenberg gründete, startete die TSG wieder eigenständig in der B-Klasse, sowie mit einer II. Mannschaft in der D-Klasse.

Mit altbewährtem Rezept und Kräften wird wieder Fußball in Irlich gespielt. Und das erfolgreich. Zunächst gelang es Hartmut Idelberger zum dritten Mal ins Pappelstadion an die Linie zu holen. Für die II. Mannschaft konnte Jens Diehl als Trainer gewonnen werden. Dann galt es die Wechselmodalitäten mit den ehemaligen Partnern abzuklären, was zur Zufriedenheit aller auch gelang. Trotzdem wusste niemand im Sommer 2004 wo die neuformierten Mannschaften standen. Aber alle waren guter Hoffnung. Und sie wurden nicht enttäuscht. Mit Platz fünf in der Endabrechnung hat die I. Mannschaft ihr Saisonziel erreicht und wird nun versuchen sich im kommenden noch zu steigern. Die II. Mannschaft hat einen so jungen Kader (überwiegend 86er Jahrgang), dass hier für die sportliche Zukunft der TSG einiges heranwächst.

Kreisliga A so lautet das Ziel. Aber nicht mit Gewalt. Vorrangig, bei allem sportlichen Ehrgeiz, steht die Kameradschaft in den Truppen. Und dass diese stimmt haben die Jungs in den zurückliegenden Monaten bewiesen. Bleibt nur zu hoffen dass unsere Mannschaften die sportlichen Ziele auch erreichen können ohne die zwischenmenschlichen Werte zu vergessen.

“Wir” haben schon einiges erlebt in der langen Geschichte unseres Vereins, viele positive Emotionen werden im Sport, in der Gemeinschaft, freigesetzt. Das Menschen aller Altersklassen dies (neben der sportlichen Betätigung), erfahren können, ist das Ziel und das Bestreben unserer TSG!

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